Walter Kohl im Business Club – Erfahrungen eines Politikersohns

Fulda – Ein Hauch von Großstadt-Feeling herrschte am Montagabend im Business Club Fulda, als Walter Kohl in einer lockeren Gesprächsrunde von der Suche nach Versöhnung und seinem Buch erzählte, das ihn vor gut einem Jahr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt hat.

Gut ein halbes Jahr bewegte sich der Sohn des Altbundeskanzlers Helmut Kohl mit „Leben oder gelebt werden“ ganz oben in den Bestsellerlisten und wurde dabei selbst zur Berühmtheit. Grund genug für den Fuldaer Mediziner Dr. Samir Al-Hami, den Autor nach Fulda zu holen.

Zu einem „Kaminabend“ hatte der bekannte Neurochirurg einen erlesenen Kreis an etwa 25 Gästen aus Politik und Wirtschaft geladen, um den Ausführungen Kohls zu lauschen und mit ihm persönlich über seine Motivation zu diskutieren. Respektvoll und zugleich wissbegierig zeigte sich das geladene Publikum in der Wahl der Fragen. So wählte der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Walter Arnold seine Worte mit Bedacht, als er fragte, ob es zwei Helmut Kohls gebe – nämlich den, der Zusammenhalt predige und den, der bei seiner Familie nicht dazu in der Lage sei. Doch anstatt mit seinem Vater „abzurechnen“, der sich öffentlich von seiner „alten Familie“ distanziert hatte, bewies „Kohl Junior“ Charakterstärke. „Ich glaube nicht, dass es zwei Seiten an ihm gibt. Wissen Sie, das außergewöhnliche Talent meines Vaters war auf seine Parteitätigkeit beschränkt und darin war er gut. Diese Grundsätze wie Zusammenhalt meint er ernst und danach handelt er auch – im Parteigeschehen“, betont Walter Kohl.

Wie erfolgreich sein Buch werden würde, hätte er sich nicht träumen lassen, als er vor knapp vier Jahren damit anfing, die ersten Zeilen zu schreiben. Dabei wollte er doch nur eines – so sagt er –, nämlich den inneren Frieden finden. Seine Kindheit, seine Jugend und ja fast sein ganzes Leben seien von dem Fakt geprägt gewesen, der Sohn Helmut Kohls zu sein. „Ich war ein anderer unter gleichen und das habe ich überall gespürt, wo ich mich bewegt habe“, erklärt der 48-Jährige. Er habe nicht nur unter den Neckereien der Klassenkameraden gelitten, sondern auch unter den öffentlichen Anfeindungen – damals von Lehrern, später dann von Arbeitskollegen und der Presse. Das Buch sei seine Methode gewesen, sich diese Erfahrungen von der Seele zu schreiben, für die er mehr als 35 Jahre lang keine Sprache gefunden hatte. „Seit den ersten Anfeindungen spürte ich eine innere Sprachlosigkeit, die sich durch mein Leben hindurch zog“, berichtet Kohl. Die Sinnkrise nach dem Tod seiner Mutter – Hannelore Kohl hatte 2001 Selbstmord begangen – habe ihn schließlich über das Thema Versöhnung nachdenken lassen, bis er das erste Mal vor Menschen darüber referierte. „Es hatte etwas Befreiendes, aber auch Angsteinflößendes“, berichtet Kohl als er über den Moment der Druckfreigabe spricht. Auf die Frage, ob er seinem Vater verziehen habe, antwortet Kohl ganz ruhig: „Die Tür steht offen und das weiß mein Vater. Aber ich muss akzeptieren, wenn mein Vater anders mit den Dingen umgeht als ich. Ich will niemanden verurteilen oder jemanden dazu bringen, sein Gesicht zu verlieren.“

Und so vermittelt Kohl den Eindruck, das Schreiben des Buches sei viel weniger Abrechnung als „Selbsttherapie“ gewesen. Er habe gelernt, aus seiner passiven Rolle, seiner Ohnmacht heraus zu gelangen und die Dinge wertzuschätzen und das wolle er jetzt den Menschen mit auf den Weg geben. „Es geht jetzt nur noch um mich und den inneren Frieden, den ich gefunden habe. Ich habe los gelassen und das fühlt sich gut an“, betont der Sohn des Altkanzlers Helmut Kohl bevor Gastgeber Dr. Al-Hami sich für seine offenen Worte bedankte und den Abend mit einem leckeren Essen ausklingen ließ. (Quelle: www.osthessen-sport.de)