Der verkaufte/gekaufte Patient – Lobbyarbeit und Fehlverhalten im Gesundheitswesen

„Der verkaufte/gekaufte Patient – Lobbyarbeit und Fehlverhalten im Gesundheitswesen“
Wann: Mittwoch, 18.07.2012, 18.00 Uhr Wo: Business Club Fulda, Münsterfeldallee 1, 36041 Fulda


Sehr geehrte Damen und Herren,

der Wettbewerb im Gesundheitswesen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Patient ist längst nicht mehr nur Patient, er ist ein Wirtschaftsgut geworden, um das ein harter Kampf ausgebrochen ist. Gerade in den letzten Wochen häufen sich Meldungen, die den Anschein erwecken, dass dieser Kampf nicht immer ganz fair ausgetragen wird und letzen Endes sowohl zu Lasten des einzelnen Patienten als auch der Ärzteschaft und des Systems als Solchem geht.

Ende Mai sorgten die Ergebnisse einer empirischen Studie, die der Rechtswissenschaftler und Kriminologe Prof. Dr. Kai-D. Bussmann im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes durchgeführt hat, für Aufsehen. Gemäß der Studie, für die insgesamt über 1.100 niedergelassene Fachärzte, leitende Angestellte von stationären Einrichtungen und nicht-ärztliche Leistungserbringer befragt wurden, sind Fangprämien im deutschen Gesundheitssystem keine Ausnahme, sondern gängige Praxis. Nicht medizinische Argumente, sondern Prämiengelder und Sachleistungen entscheiden demnach zu welchem Arzt, zu welcher Klinik oder welchem Hilfsmittelerbringer Patienten gelenkt werden. Nach Ansicht von Bussmann lebt „die von den Studienteilnehmern wahrgenommene gängige Praxis der Zuweiservergütung in vielen Fällen davon, dass das Entdeckungsrisiko für den einzelnen Akteur relativ gering und die Nachteile für den Berufsstand sowie das Gesundheitssystem insgesamt weit entfernt sind“.

Im Mittelpunkt des Interesses steht der Patient auch, wenn es um Lobbyarbeit geht. Fast alle gesundheitspolitischen Interessenvertreter reklamieren die Patientenbelange für sich, die Patienten selbst kommen in dieser Vielzahl der Stimmen allerdings kaum vor. „Ist das aber wirklich so skandalös?“, fragt Dr. Albrecht Kloepfer, Politikberater, Publizist und gelernter Literaturwissenschaftler, „schließlich fällt in unserem solidarischen Gesundheitssystem den Kranken doch nicht das alleinige Gestaltungsrecht zu. Haben nicht auch die Versicherten, die ja letztlich die Gesundheitsversorgung mit ihren Beiträgen finanzieren, das Recht, bei der Ausgestaltung dieses Systems ein Wörtchen mitzureden? Wo aber wären denn dann die Patienten im Berliner Lobbybetrieb sinnvollerweise zu verorten? Und wo finden sie sich tatsächlich wieder?“

Über all dies und viele weitere spannende Fragen möchten wir am Mittwoch, dem 18.07.2012, nach den beiden inspirierenden Impulsreferaten von Prof. Dr. Kai-D. Bussmann und Dr. Albrecht Kloepfer, mit Ihnen diskutieren. Ausklingen lassen wir den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen. Über Ihre Teilnahme würden wir uns sehr freuen. Bitte geben Sie uns bis Mittwoch, 11.07.2012, Bescheid, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen. Ansprechpartnerin ist Frau Nancy Glombik. Sie erreichen sie telefonisch unter 0661 5801-300 oder per E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr
Dr. med. Samir Al-Hami
Inhaber Neuro-Spine-Center
Gründer Dr. Al-Hami International Academy, Fulda
Neurochirurg


Die Referenten

Dr. Albrecht Kloepfer
Dr. Albrecht KloepferDr. Albrecht Kloepfer, Politikberater, Publizist und gelernter Literaturwissenschaftler, unterrichtete von 1987 bis 1999 in Berlin und Tokyo (Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes) an verschiedenen Universitäten. Von 1996 bis 2001 war er Korrespondent der Zeitschrift „Deutschland“, herausgegeben vom Auswärtigen Amt und vom Bundespresseamt. Seit 2000 arbeitet er als Moderator und strategischer Berater für Unternehmen und Verbände aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft. Seit 2002 ist er Herausgeber des „GesundheitsPolitischen Briefs“, einem wöchentlichen Nachrichtenüberblick zur deutschen Gesundheitspolitik, sowie Leiter des Berliner „Büros für gesundheitspolitische Kommunikation“. Seit 2006 moderiert er wöchentlich die “Gesundheitspolitischen Kamingespräche” im Berliner Hotel Adlon.

Prof. Dr. Kai-D. Bussmann
Prof Dr. Kai-D. BussmannProf. Dr. Kai-D. Bussmann ist deutscher Rechtswissenschaftler und Kriminologe. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und den beiden Staatsexamen 1981 und 1986, jeweils in Hamburg, promovierte Bussmann 1991 an der Universität Bremen und habilitierte sich 1998 an der Universität Bielefeld. Von 1997 bis 1999 übernahm er eine Vertretungsprofessur an der Universität Halle. Gleichzeitig hatte er einen Lehrauftrag an der Universität Gießen. Bussmann ist seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Halle. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Wirtschaftskriminalität, Gewalt in der Erziehung und die Evaluation von kriminalpräventiven Maßnahmen.