Deutschland als Vorbild und Anker – Spannender Vortag im Business Club

Fulda. Der Euro ist nicht erst seit gestern in der Krise und eine Wunderwaffe gegen die hohe Verschuldung sowie alle anderen Probleme, die mit dieser Krise einhergehen, gibt es auch nicht. Dass die Deutschen trotzdem keinen Anlass haben, den Kopf in den Sand zu stecken, konnte die Chefvolkswirtin der Helaba-Geschäftsbank Dr. Gertrud Traud am Dienstagabend den begeisterten Zuhörern ihres Vortrags im Business Club Fulda „nachvollziehbar erklären“.

Traud war mit ihrem Vortrag unter dem Motto „Euro-Krise – und nun?“ der Einladung des Fuldaer Neurochirurgen und Mentor des Fuldaer Business Club im Stadtteil Neuenberg, Dr. Samir Al-Hami, gefolgt. Mit zahlreichen Vertretern aus dem Wirtschafts- und Bankensektor ging die gebürtige Hünfelderin der Frage nach, was diese Währungs-Krise eigentlich für Deutschland und seine Bürger bedeutet, welche Folgen ein Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone hätte und inwiefern ein Auflösen der Währungs-Union die Probleme in den einzelnen Ländern beheben oder verschlimmern würde. „Rein ökonomisch gesehen könnten wir einen Austritt Griechenlands verkraften. Aber Griechenland stünde dann am Abgrund“, betonte die 48-Jährige vor rund 60 Gästen. Das Problem dieses Landes sei es, keine Exportgüter zu produzieren, was wiederum zu höheren Import-Preisen führe. Aber auch Spanien, Italien und Frankreich hätten enorme Probleme mit ihrer Wirtschaft. Ein regelrechter Immobilienboom habe sich hier nach Einführung des Euro entwickelt, die Löhne seien zum Teil um 60 Prozent angestiegen – gespart aber habe Niemand, weil die Verlockung des „Schlaraffenlandes“ einfach zu groß gewesen sei. Ein enormes Wachstum ohne Konjunktur sei hier der Fall gewesen und habe eine „Blasenwirtschaft“ aufgebaut. „Nach dem extremen Boom in der Anfangsphase und der Wirtschaftskrise Ende 2008 machen Spanien und Irland ihre Wirtschaft nun aber wieder wettbewerbsfähig, indem sie die Löhne den produzierten Gütern anpassen“, erklärt Traud.
Weil Deutschland sich aber von Anfang an nicht von der „schönen neuen Welt“ mit Wachstum ohne Schwankungen habe blenden lassen, gehe es den Menschen hier in 2012 sogar besser als vor der Krise 2008. Ob das aber so bleibt, hänge entscheidend von der Entwicklung der anderen Euro- Länder ab. Während Aufträge aus dem nicht-europäischen Ausland nach wie vor an deutsche Firmen vergeben werden, würden die Aufträge aus Ländern der Euro-Zone zurückgehen, weil dort die Krise schon bemerkbar ist. Und weil viele Menschen „sparsamen“ Deutschen in dieser Krise mehr zutrauen, gut mit ihrem Geld umzugehen, mache sich ein Trend bemerkbar, der die einzelnen Länder weiter schwäche: Viele Geldgeber würden ihr Geld nach Deutschland schaffen, was den Zinssatz hier aus ein „historisches“ Tief hat fallen lassen – ganz zum Nachteil der Sparer, aber zum Vorteil der Investoren. Aus dem ganzen Schlamassel einer Euro-Krise raus, gibt es nach Ansicht der Finanz-Expertin nur einen Weg: „Was wir brauchen ist eine Stabilitätsgemeinschaft – die dauert zwar länger, aber Länder wie Portugal und Spanien haben gezeigt, dass es geht“, betonte Traud abschließend. Beeindruckend verständlich hatte sie den aufmerksamen Zuhörern Zusammenhänge und die Tricks der Finanzexperten erklärt, wofür ihr unter anderem auch Moderator Dr. Alois Rhiel ausdrücklich dankte.