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VATIKANKORRESPONDENT UND BESTSELLERAUTOR ANDREAS ENGLISCH WAR AM 04. JUNI 2014 ZU GAST IN DER MÜNSTERFELDHALLE

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Andreas Englisch ist seit vielen Jahren Korrespondent im Vatikan und hat dadurch engen Kontakt zu den letzten drei Päpsten gehabt, die auch teilweise von sehr persönlichen Momenten geprägt waren. Seine Erfahrungen hat er in unterschiedlichen Büchern zusammengefasst, die zu Bestsellern avancierten. Herr Englisch stellte sich den Fragen der Talkrunde, die sich aus Herrn Dr. Al-Hami und zwei Personen aus dem Publikum zusammensetzte. Er begleitete seine Antworten mit sehr persönlichen Momenten und schilderte seine Erfahrungen auch auf einer äußerst humorvollen Art, mit der er die rund 500 Gäste immer wieder zum Lachen brachte. Englisch war kein gläubiger Mensch, als er anfing im Vatikan zu arbeiten. Doch der Kontakt zu Johannes Paul II. und die mit ihm gemachten Erfahrungen, haben ihn zur Religion geführt. Er beschrieb Papst Johannes Paul II. als einen überaus gutherzigen Menschen, der großen Wert auf eine solidarische Gesellschaft legte und sich auch politisch in der Welt engagierte. Zwei Anekdoten bestätigten das von Englisch vermittelte Bild des Karol Wojtyla. So schenkte er einer armen Frau bei einem Besuch eines Armenviertels in Rio de Janeiro den bedeutsamen Siegelring des Papstes, was seine Sekretäre gar nicht gut hießen. Anders als vermutet, hat die Frau den Ring nicht verkauft, sondern eine kleine „Kapelle“ in dem Armenviertel errichten lassen, in dem der Siegelring aufbewahrt wird. In einem Brief wurde Papst Johannes Paul II. darum gebeten, die Kapelle unter seinem Namen zu weihen. Doch der Papst weihte sie auf den Namen Franziskus. Dies war die einzige Kirche oder Kapelle, die er in seiner Zeit als Papst auf diesen Namen weihte. In Bezug auf den aktuellen Papst Franziskus, scherzen einige Leute, Johannes Paul II. habe die Zukunft vorhersehen können.
Als die niederländische Königin den Vatikan besuchte, und der Papst durch die Vatikangärten schritt um die Königin in Empfang zu nehmen, wurde er von zwei Jungen mit einem Fußball angeschossen. Anstatt erbost zu reagieren, weil seine Kleidung beschmutzt wurde, spielte er mit den Jungen. Als seine Sekretäre ihn darauf aufmerksam machten, dass die niederländische Königin auf ihn wartet, antwortete er: „Das Lächeln dieser Kinder ist für Gott viel wichtiger als die niederländische Könige“.
Von Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. zeichnete Englisch ein ganz anderes Bild. Ratzinger sei ein äußerst intelligenter und hervorragender Theologe, der sich mit grundlegenden Glaubens- fragen auseinandersetzen kann, aber andere Attribute, die für das Papstamt so wichtig sind, nicht besessen habe. Englisch vermutete, dass Ratzinger von Beginn an nicht Papst sein wollte, und war einer der ersten Menschen, die den Rücktritt Ratzingers vorhergesagt hatten.
Sein Nachfolger, Papst Franziskus schlägt einen ganz anderen Weg ein. Englisch sprach von einer Revolution innerhalb des Vatikans. Diese begann bereits, als er direkt im Anschluss nach seiner Wahl, die auf ihn wartende Menschenmenge auf dem Petersplatz mit einem schlichten „Buona sera“ begrüßte. Am selbigen Abend sollte er mit seiner Dienstlimousine zum Abendessen gefahren werden. Er weigerte sich jedoch und wollte wie die Kardinäle mit einem Bus fahren. Als Papst beanspruchte er zumindest einen Platz in der ersten Reihe. Die großzügig eingerich- tete Papstwohnung lehnte er ab. Er wohnt in einem 23qm großen Zimmer und verzichtet auf seine ihm zustehenden Kammerdiener und speist in der Mensa des Vatikans. Er wolle Wiederverheirateten Katholiken die Sakramente ermöglichen und hatte sich negativ zu dem Verhalten von Bischof Tebartzvan Elst geäußert. Franziskus konzentriert sich in seinem Tun nur auf die wirklichen Probleme der Menschen. Ihm liegt alles daran hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen und verlangt dies auch von allen Gläubigen. Diese kleinen Dinge sorgten wohl unter anderem dafür, dass der Gastgeber Dr. Al-Hami und vermutlich viele andere Menschen auch, begeistert von Franziskus sind. „Ich glaube, dass dieser Papst ein Geschenk des Glaubens ist“ sagt Englisch und hat vielleicht nicht Unrecht damit.